Rückblick 2008: Reisen auf der Route der Energievielfalt Rundfahrten
boten 138 Interessierten Einblick in die Energieversorgung des Industrieparks Höchst Der
Industrieparkbetreiber Infraserv Höchst führte insgesamt 138 interessierte Besucher auf der „Route der
Energievielfalt“ durch den Industriepark Höchst. Die drei Rundfahrten griffen das Thema der Rahmenveranstaltung
auf: Energie. Die kostenlosen Fahrten dauerten jeweils etwa drei Stunden und boten den Teilnehmern einen
tiefen Einblick in die komplexen energiewirtschaftlichen und -technischen Zusammenhänge und Anforderungen,
denen sich ein Industriepark stellen muss.
Strom fließt in jedem Haushalt,
in einem Industriepark mit über 800 Gebäuden ist es mit elektrischer Energie allein jedoch nicht getan.
Auch Dampf, Kälte, Kühlung oder sogar Wasser sind Formen von industriell genutzter Energie. Dr. Thomas
Hertel, der Leiter des Geschäftsfeldes Energien von Infraserv Höchst, informierte die Besucher zu Beginn
der Route der Energievielfalt: „Im Industriepark Höchst wird soviel Strom benötigt, dass Sie damit bequem
500.000 Privathaushalte versorgen könnten.“ Bei einem solchen Energiebedarf sei es darum selbstverständlich,
dass sich seine Mitarbeiter intensiv nach ressourcensparenden Konzepten umsehen würden – und das nicht
nur, um Kosten zu minimieren. „Klimawandel und Umweltschutz sind eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.
Dieser können und wollen auch wir als Unternehmen uns nicht verschließen. Darum müssen wir Energie effizient
nutzen und sie auch effizient und umweltschonend erzeugen“, so Hertel.
Weitere
Energieexperten von Infraserv Höchst erklärten im Lauf der Rundfahrt die neuen Konzepte zur Energiegewinnung,
mit denen im Industriepark Höchst Ressourcen eingespart und nachhaltiger gewirtschaftet werden soll.
Das europaweite Projekt „Zero-Regio“ für null Emissionen durch die Verwendung von Wasserstoff als Kraftstoff
ist einer dieser zukunftsweisenden Ansätze, auch wenn der Einsatz von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen
noch in der Erprobungsphase steckt. „Wasserstoff als Kraftstoff aus Strom zu erzeugen ist noch nicht
effizient. Die Erzeugung selbst benötigt nämlich Energie. Sinnvoll wird die Verwendung von Wasserstoff
erst, wenn er mit regenerativ erzeugter Energie hergestellt wird, oder wie hier im Industriepark als
Koppelprodukt von chemischen Prozessen anfällt“, sagt Achim Boening, der das Projekt im Industriepark
mit betreut. „Ein Teil des Wasserstoffs wird innerhalb des Industrieparks weiter genutzt oder an Industriekunden
außerhalb abgegeben. Ein weiterer Teil steht jetzt an Hessens einziger öffentlicher Wasserstofftankstelle
zur Verfügung“ Etliche Brennstoffzellen-Fahrzeuge, die im Rhein-Main-Gebiet in der Erprobung sind, werden
an der Tankstelle befüllt, die im Jahr 2007 eröffnet wurde. Als „Abgas“ entlässt die Brennstoffzelle
reines Wasser aus dem Auspuff.
Der
Wasserstoffgasometer im Industriepark Höchst fasst bis zu 10.000 Kubikmeter. Hier bekamen die Teilnehmer
der Route der Energievielfalt vor Ort einen Einblick in die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger
Ein weiterer Ansatz, der im Industriepark
Höchst intensiv verfolgt wird, ist das „Waste-to-Energy-Konzept“, also die nachhaltige Energiegewinnung
aus Abfall. Um den Besuchern dieses Thema zu erläutern, stieg Dr. Marcell Peuckert, Geschäftsführer
der Infraserv-Tochter T2C, mit den Besuchern auf ein Gebäude der standorteigenen Abwasserreinigungsanlage.
„Hier, in 22 Metern Höhe, haben wir einen guten Überblick über alle Waste-to-Energy-Projekte. In mehr
als fünf Anlagen nutzen wir den vorhandenen Energiegehalt von Abfall zur Energieerzeugung, teilweise
schon seit einigen Jahren. In der 2007 in Betrieb gegangenen Biogas-Anlage zum Beispiel erzeugen wir
durch einen Gärungsprozess Biogas, das wir verbrennen und dabei Strom für umgerechnet 8.000 Einfamilienhäuser
produzieren.“ Das funktioniere genauso gut und sauber wie mit Erdgas, so der Energieexperte. „Aber man
muss eben kein Erdgas aus der Erde holen“.
Ein ganz ähnliches Prinzip verfolge
die neue Ersatzbrennstoffanlage, die 2009 in Betrieb gehen soll. In der Ersatzbrennstoffanlage werden
sortierte und heizwertreiche Bestandteile von Siedlungs- und Gewerbeabfällen verbrannt, die nicht mehr
weiterverwertet werden können, aber laut gesetzlicher Bestimmungen auch nicht mehr unbehandelt deponiert
werden dürfen. „Irgendwo muss dieser Abfall jetzt hin“, so Peuckert. „Da ist es doch nur sinnvoll, was
der Gesetzgeber vorschreibt: Nämlich diesen Abfall thermisch zu verwerten, das heißt zur Energiegewinnung
zu verbrennen“. Im Industriepark Höchst sei eine solche Anlage noch viel sinnvoller als auf der „grünen
Wiese“, so Peuckert weiter, da hier nicht nur der entstehende Strom sondern auch die Wärme genutzt werden
könnte: „Wenn die Wärmeabnehmer nicht in unmittelbarer Nähe sind, verpufft dieser Teil der gewonnnen
Energie einfach. Und das wäre wirklich Energieverschwendung“. Bei diesen beiden Anlagen käme bei der
Abluftreinigung natürlich modernste Filtertechnik zum Einsatz, so dass alle gesetzlichen Emissions-Grenzewerte
eingehalten würden.
Die 138 Besucher waren
nach den dreistündigen Rundfahrten vor lauter
Informationen insgesamt etwas erschöpft, aber sehr zufrieden. Christine Bues aus Dreieich begrüßte es,
dass das Thema Energie in diesem Jahr Leitmotiv der Tage Route der Industriekultur war: „Das Gelände
im Industriepark Höchst ist spektakulär und der Tag war sehr interessant.“ Auch Geron Rohde aus Schmitten
war glücklich, dass seine spontane Anmeldung vom Vormittag noch angenommen worden war: „Die Möglichkeit,
sich den Industriepark Höchst auf diese Weise einmal anzusehen, war sehr schön. Über viele der neuen
Projekte hat man bereits in den Medien gelesen und es war sehr gut, auch die Meinung der Experten vor
Ort zu hören.“ Hat
sich spontan angemeldet und fühlte seinen Horizont erweitert.
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