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Der Industriepark Höchst - eine Erfolgsgeschichte
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1863
Auf einem Wiesengelände westlich der
Stadtmauern von Höchst entstehen die ersten Gebäude für die Produktion: Die Chemische
Fabrik Meister,
Lucius & Co. nimmt mit fünf Arbeitern, einem
Chemiker und einem Kontoristen den Betrieb auf. Erstes Produkt ist der rote Farbstoff Fuchsin, im Spätjahr
folgt das lichtechte Aldehydgrün. Beide Produkte
bilden das Fundament für den erfolgreichen Aufstieg der „Rotfabrik".
1864
Die Baukonzession für das erste Laboratorium auf dem Gelände wird erteilt.
1869 - 1873
Erschließung des neuen Werksgeländes westlich des Liederbachs, wo
Zwischenprodukte und der rote Farbstoff Alizarin hergestellt werden. Mit Alizarin gelingt
die erste bedeutende Synthese eines Naturfarbstoffs.
1879
Der Industriepark erhält den ersten Gleisanschluss an die Hessische Ludwigsbahn.
1883
Ein neues Kapitel in der Geschichte des Werkes beginnt: Die Herstellung von Arzneimitteln.
Die erste Substanz ist das fiebersenkende und schmerzlindernde Antipyrin.
1886
Das Unternehmen gründet für seine Angestellten eine
„Beamten-Pensionskasse".
1889
Das erste „Forschungszentrum", das Hauptlabor, wird gebaut. An seiner Stelle
befindet sich heute das Gebäude D 725. Das Hauptlabor beheimatet auch die
Wissenschaftliche Bibliothek.
1892
Mit Tuberkulin zur Bekämpfung der Lungentuberkulose, entwickelt von Robert Koch,
beginnen die Farbwerke Höchst die Herstellung immunologischer Medikamente. Namhafte Naturwissenschaftler
arbeiten auch in der Folgezeit vielfach erfolgreich mit dem Mutterunternehmen zusammen.
1894
Der Betrieb zur Herstellung von Heilserum nimmt die Produktion auf. Bis in die
dreißiger Jahre entstehen hier Seren und Impfstoffe, darunter das von Emil von
Behring entwickelte Serum gegen Diphterie. Drei Jahre später folgen Antitoxin gegen
Wundstarrkrampf und das fiebersenkende Pyramidon. Außerdem gelingt die Synthese des Indigofarbstoffes.
1898
Eine zentrale elektrische Licht- und Kraftzentrale versorgt das gesamte Gelände. Ende der 90er Jahre
verändert sich die
Antriebstechnik grundlegend: Elektromotoren ersetzen die bisherigen Dampfmaschinen.
Die Fabrik zählt mehr als 3.650 Mitarbeiter.
1909
Die Infrastruktur des Geländes wird weiter ausgebaut: Eine Hausdruckerei wird eingerichtet,
die mit ihren Schnellpressen vor allem für die
Färberei (Musterkarten und Zirkulare) sowie für die Pharma tätig ist.
1910
Paul Ehrlich entwickelt in langjähriger Forschungsarbeit das Medikament Salvarsan,
eine Arsenverbindung, die sich als hochwirksam zur Behandlung der Syphilis erweist. Dieses
Präparat und seine Nachfolger werden bei den Farbwerken produziert.
1914
Fast die Hälfte der Beschäftigten muss Kriegsdienst leisten, 564 kehren
nicht zurück. Ein Großteil der Anlagen wird stillgelegt.
1916
Die größeren deutschen Chemieunternehmen bilden eine Interessengemeinschaft, die IG Farben.
Die Firmen bleiben bis 1925 rechtlich selbstständig, sprechen aber ihre
unternehmerischen Entscheidungen untereinander ab.
1919
Der Berliner Designer und Architekt Peter Behrens plant und baut das neue Technische
Verwaltungsgebäude der Farbwerke Höchst. Baubeginn im Frühjahr 1920, im
Juni 1924 beziehen die Ingenieure und Kaufleute die Büros. Das Gebäude gilt als
herausragendes Beispiel expressionistischer Architektur.
Seit 1878 bilden die Farbwerke Lehrlinge aus. Im Jahr 1919 errichtet die Werksleitung eine
Lehrwerkstatt für 120 Auszubildende.
1921
Nach mehrjähriger
Forschung Beginn der Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelproduktion im Werk.
1925
Im Dezember fusionieren die Unternehmen
der Interessen-gemeinschaft zur I.G. Farbenindustrie
Aktiengesellschaft.
Sitz des Unternehmens ist das IG-Farben-Hochhaus im Norden Frankfurts. Aus der Fabrik wird
ein Werk der I.G. Farben mit dem Werksleiter Professor Paul Duden an der Spitze. 11.054
Mitarbeiter stehen auf den Lohn- und Gehaltslisten.
1930
Unter der Leitung von Dr. Otto Scherer und Dr. Franz Schloffer werden im Werk
Fluor-Polymerisationskunststoffe hergestellt, die später unter dem Namen Hostaflon bekannt
werden.
Nach 1933
Der Betriebsalltag in den Werken wird nach 1933 zunehmend von den Nationalsozialisten mitbestimmt. Die
wirtschaftliche Vorbereitung des zweiten Weltkrieges und die anschließende
Kriegswirtschaft prägen auch die I.G. und ihre Werke.
1938
Das Werk besteht seit 75 Jahren. 9.580 Menschen arbeiten zu diesem Zeitpunkt in der
Fabrik. Werksleiter Ausbau vor allem der Arzneimittelforschung. Höchst besitzt das erste industriell
eingesetzte
Elektronenmikroskop.
1939
Durch den Mangel an Arbeitskräften kommen Kriegsgefangene, Fremd- und Zwangsarbeiter
aus zahlreichen Ländern Europas zum Einsatz. Etwa neuntausend von ihnen
arbeiten im Werk Höchst.
1945
Nach der Auflösungsverfügung der I.G. Farbenindustrie AG durch die Alliierten
1945 steht das Werk Höchst von 1945 bis 1951 unter US-Administration.
1947
Ein Penicillin-Wundpuder, auf der Basis von eigenen Forschungen während des Krieges nach einer amerikanischen
Lizenz hergestellt, kommt
auf den Markt.
1951
Neugründung der Farbwerke Hoechst AG, vormals Meister Lucius & Brüning. Zwei
große Forschungsgebäude entstehen: Eines für die Pharmaforschung und eines
für die Farben- und Zwischenproduktforschung. Die traditionellen Arbeitsgebiete werden verstärkt und
die
Produktpalette um Synthesefasern und Kunststoffen verbreitert. Das Unternehmen internationalisiert
sich.
1955
Aufnahme der Produktion von Niederdruckpolyethylen nach dem Verfahren von Professor
Karl Ziegler. Einweihung des Verkaufshochhauses C 660 nach
Plänen des Stuttgarter Architekten Professor Gerhard Weber.
1956
Neue Anforderungen brauchen eine optimierte Infrastruktur: Die Ost-West-Achse, die
Straßenverbindung zwischen Tor West und C 660, entsteht.
1957
Vorboten einer neuen Zeit: Die Großrechenanlage IBM 705 geht in Betrieb. Die
Farbwerke rufen eine Studienstiftung ins Leben. Produktion von Remazol-Farbstoffen, mit
denen auch Baumwolle licht- und waschecht eingefärbt werden kann.
1959
Baubeginn für ein neues Forschungszentrums südlich des Mains und der ersten
Werksbrücke. Im neuen Südteil entstehen Anlagen für organische und
petrochemische Produkte sowie ein Hafen, der 1967 fertiggestellt wird.
1960
Als erster Komplex des neuen Forschungszentrums auf der Südseite ist das
Hauptlaboratorium G 830 fertig.
Das neue
Ausbildungszentrum in der Nähe von Tor Ost entsteht (heute Provadis).
1963
Vertretungen in über 100 Ländern machen den Namen Höchst und Hoechst im
Jubiläumsjahr weltweit bekannt. Die neuen Pharmapräparate Streptase und Haemaccel
etablieren sich
auf dem Markt. Die Jahrhunderthalle Hoechst setzt in den nächsten Jahrzehnten
kulturelle Glanzpunkte im Frankfurter Westen.
1967
Für 60 Millionen DM entsteht eine neue Pharmafertigung. Die erste europäische
Großkläranlage für Chemieabwässer geht im Westen des Werkes in
Betrieb. Am Tor Nord optimiert der S-Bahn-Haltepunkt Farbwerke Hoechst die regionale
Anbindung des Geländes.
1972
Der stetig wachsende Industriepark benötigt eine zweite Mainbrücke, die an der
westlichen Peripherie entsteht. Die kombinierte Eisenbahn- und Straßenbrücke
schließt den Südteil des Werkes an das Schienennetz an. Der Hafen auf der Südseite wird für die Containerverladung
ausgebaut.
Am Tor Ost entsteht der Neubau der Werksärztlichen Abteilung.
Über 10.000 Mitarbeiter sind in der Forschung tätig.
1978
Die neue Rückstandsverbrennungsanlage nimmt ihren Betrieb auf. Die bei der
Verbrennung freigesetzte Energie wird in das Werksnetz eingespeist und spart jährlich
20.000 Tonnen Heizöl.
1979
Die Analytik erhält ein neues Gebäude im Forschungszentrum.
1991
Es wird mit dem Bau der Klärschlammverbrennungsanlage begonnen, die jährlich
160.000 Tonnen Klärschlamm thermisch nutzen kann und die Deponiemenge drastisch
reduziert.
1994
Mit dem Programm „Aufbruch ´94"beginnt der Umbau der Hoechst AG und die Einführung
einer neuen Organisations-struktur. Ein Abbruchprogramm in
Höhe von umgerechnet rund 75 Millionen Euro schafft Freiraum in der Nordhälfte
des Werkes. In den kommenden Jahren werden 138 Gebäude abgerissen, es entstehen zehn
Hektar bebaubare Freifläche.
1995
Im Hoechst Integriertes Managementsystem (HIMS) werden die Managementsysteme für
Qualität, Arbeitsschutz, Anlagensicherheit, Umwelt- und Gesundheitsschutz
zusammengeführt.
1997
Der Industriepark Frankfurt-Höchst öffnet sich für konzernfremde
Unternehmen.
1998
Zum Jahresbeginn übernimmt die Infraserv GmbH & Co. Höchst KG als
Betreibergesellschaft das Management des Standortes. Rekordinvestitionen im Industriepark.
2000
Die Gesellschaften im Industriepark investieren rund 350 Millionen Euro. Aventis – heute sanofi-aventis
– und
Diabel bauen im Südteil je eine neue Anlage zur Produktion von Insulinen (LIP, Lantus).
Im Dezember stellt der Industriepark das weltweit größte Verteilsystem für
hochreines Wasser vor.
2001
Eine Rekordinvestition von rund 450 Millionen Euro lässt den Industriepark weiter
wachsen. DyStar errichtet ein Büro- und Laborgebäude am Tor Nord. Ein neues
Mehrzwecklaborgebäude und ein neunstöckiges Bürogebäude entstehen im
Süden.
2003 Aventis, heute sanofi aventis, investiert einen dreistelligen
Millionenbetrag in den
Bau einer neuen Insulinanlage.
2004
Die
Aktionärsversammlung beschließt die Auflösung der Hoechst AG, die zuletzt als Zwischenholding von
Aventis, heute sanofi aventis, diente. Minderheitsaktionäre müssen ihre Aktien im Rahmen
eines Squeeze-out-Verfahrens an die Mutterholding Aventis veräußern.
Der
Trimodalport am südlichen Mainufer des Industriepark Frankfurt-Höchst wird fertiggestellt. Durch ihn
werden die Verkehrsträger Wasser, Schiene und Straße ("trimodal") miteinander verknüpft.
2005 Die
Unternehmen im Industriepark investierten im Jahr 2005 über 340 Millionen Euro am Standort. U. a. entstanden
eine Biodieselproduktionsanlage, eine Pharmawassererzeugeranlage und ein Biozentrum für Medikamente.
Das Biozentrum mit seiner hochmodernen Technologie bildet die Brücke zwischen innovativer Forschung
und effizienter Produktion und ist damit ein wichtiger Baustein für die Zukunftssicherung des Standorts
Industriepark Höchst.
2006 Der
Industriepark Höchst beteiligt sich mit den Unternehmen Clariant, sanofi-aventis und Infraserv Höchst
an der bundesweiten Veranstaltungsreihe "365 Orte im Land der Ideen".
Am 7. Juni laden die drei Unternehmen zu einem exklusiven Besuchertag insgesamt 100 Gäste in den Industriepark
Höchst ein, um ihnen bei einer Reise durch den „IdeenPark Höchst“ eine Auswahl innovativer Ideen vorzustellen. Der
Industriepark ist nun einer der 365 Orte, die in diesem Jahr mit ihren Aktivitäten ein Beispiel geben
für die Innovationskraft und den Ideenreichtum Deutschlands.
Infraserv
Höchst engagiert sich weiter für die Nutzung umweltschonender und erneuerbarer Energien: Eröffnung einer
Wasserstoff-Tankstelle am Industriepark Höchst im Rahmen des EU-Projektes „Zero Regio“ und Bau einer
Co-Fermentationsanlage zur Erzeugung von Biogas aus Klärschlämmen und organischen Abfällen.
2007 Infraserv
Höchst plant den Bau einer Ersatzbrennstoff-Anlage mit einer Jahreskapazität von 675.000 Tonnen. Sie
soll 70 Megawatt elektrische Leistung bzw. 250 Tonnen Dampf pro Stunde erzeugen und die Energieversorgung
der Standortunternehmen zu international wettbewerbsfähigen und attraktiven Konditionen sicherstellen.
Mit einem Projektbudget von rund 300 Millionen Euro handelt es sich um die größte Einzelinvestition,
die bisher im Industriepark Höchst getätigt wurde
2008 Im
südlichen Teil des Industrie-Areals entsteht für rund 44 Millionen Euro ein hochmodernes Logistik Center.
Mit rund 70.000 Palettenlagerplätzen ist das Neue Logistik Center im Industriepark Höchst das größte
Lager für chemische Produkte in Hessen. In diesem Jahr investieren die rund 90 Standortgesellschaften
mehr als 602 Millionen Euro im Industriepark Höchst.
2009 Eine neue Medienbrücke zur Versorgung der Produktionsanlagen
im Südteil des Industrieparks mit Dampf oder verschiedenen Rohstoffen wird von Infraserv Höchst errichtet.
Am westlichen Rand des Industrieparks Höchst entsteht eine neue, farbig
gestaltete Schallschutzwand, die den Lärmschutz deutlich verbessert.
Der
italienische Industriegase-Konzern SOL investiert 20 Millionen Euro in den Bau einer Produktionsanlage
zur Verflüssigung technischer Gase im Industriepark Höchst. Infraserv Höchst übernimmt das Management
und den Betrieb der Anlage.
2010 In
diesem Jahr ist der Bau einer neuen Gasturbinenanlage
geplant, die aus zwei Gasturbinen mit jeweils 45 Megawatt elektrischer Leistung besteht. 70 Millionen
Euro investiert Infraserv Höchst hiermit in die weitere Optimierung der Energieversorgung im Industriepark
Höchst.
Des Weiteren soll für fünf Millionen Euro
eine der modernsten und technisch anspruchsvollsten Bioerdgas-Aufbereitungsanlagen in ganz Deutschland
entstehen. Ein weiterer Beitrag zum praktizierten Klimaschutz. Das Energieversorgungsunternehmen Mainova
wird das aufbereitete Bioerdgas in das öffentliche Versorgungsnetz einspeisen.
© copyright historisches Bildmaterial: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
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