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Die farbige Welt des Industrieparks Höchst
Der Begriff „Farbwerke" ist in Zusammenhang mit dem Industriepark Höchst
längst überholt - nur der Name des Bahnhofes am Tor Nord erinnert noch an die
traditionelle Bezeichnung der ehemaligen Hoechst AG. Doch „Farb-Werke" sind im
Industriepark längst zu einem Blickfang der besonderen Art geworden, beinahe sogar zu
Wahrzeichen. Denn die Arbeiten von Friedrich Ernst von Garnier, der mehr als 70
Gebäude im Industriepark farblich gestaltet hat, stehen als Belege dafür, dass
zwischen Produktionsanlagen und Bürogebäuden nicht tristes Grau vorherrschen
muss.
Pastellig oder bunt: Die Farbe steht im Mittelpunkt
Auf dem ganzen Gelände begegnen
einem die kilometerlangen,
weit verzweigten Rohre und
Rohrbrücken, die von Garnier in pastellfarbenen Blau- und Grüntönen
gestaltet wurden. Sie erscheinen besonders an bedeckten Tagen und bei grauem Himmel
besonders farbig und tauchen den Industriepark damit in ein besonderes Licht.
Insbesondere der bis weit in den Vordertaunus sichtbare „Kamin", als Schornstein
des Kraftwerkes eigentlich ein nüchterner Zweckbau, symbolisiert mit der
künstlerischen Farbgebung eine Industriekultur moderner Prägung. Und dass der
Textilfarbstoffhersteller Dystar Wert auf ein buntes Hauptverwaltungs- und
Laborgebäude legte, versteht sich von selbst - auch von der S-Bahn aus ist der
farbenfrohe Neubau B 596/598 im Nordteil des Industrieparks gut zu sehen und erweist sich
immer wieder als echter Blickfang.
Im Jahr 1978 begann Garniers Arbeit im Industriepark mit der Gestaltung der Griesheimer
Biohochreaktoren. Elf Jahre später fasste der Vorstand der Hoechst AG einen zum
damaligen Zeitpunkt ausgesprochen ungewöhnlichen Beschluss: Bei Neubauten und
Sanierungsmaßnahmen sollten Gebäude nach einem Farbkonzept gestaltet werden.
Jeweiliger Anlass für die ästhetische Auseinandersetzung mit einer Fassade war
der pragmatische Zwang der Gebäudeunterhaltung. Aus diesem Ansatz entwickelte sich
eine Farbgebung für Produktionsanlagen, Bürokomplexe, Brücken und
Infrastruktureinrichtungen, die den Industriepark bis heute prägt.
Theorie der Farbgestaltung
Friedrich Ernst von Garnier lässt sich bei allen seinen Entwürfen von seiner
eigenen Theorie der Farbgestaltung leiten: „Die kreativen Kräfte einer
Gesellschaft sollten viel eher die Arbeitslandschaften als die Freizeitlandschaften
schön gestalten. Ein Mensch hält sich zu einem Großteil seines Lebens an
seinem Arbeitsplatz auf, und es ist mein Ziel, die Arbeitslandschaft natürlich,
vereinfacht und beruhigt zu gestalten. Das ist durch Farben möglich."
Diese Maxime konnte Friedrich Ernst von Garnier, 1935 in Breslau geboren, im Industriepark
Höchst in besonderer Weise umsetzen. Er gilt als innovativer Farbgestalter, der seine
eigene Philosophie über den Zusammenhang von Farbe und Architektur erstellt hat.
Dabei nutzt er die positiven Eigenschaften von natürlich wirkenden Farbkombinationen,
um bestimmte Farblichtstimmungen in Räumen oder für Bereiche zwischen Bauten zu
erzeugen. Garnier geht es in erster Linie um die Einbindung von Gebäuden in ihre
jeweilige Umgebung: „Jedes Gebäude benötigt abhängig von seiner
Struktur und Umgebung ein eigenes Farbkonzept. Die Farbe wiederum gibt jedem Gebäude
eine gewisse Eigenschaft und damit eine Art Persönlichkeit."
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