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Schwefel - das gelbe Element
Schwefel ist auf der
Erde weit verbreitet. Eine Tonne Erdgestein enthält durchschnittlich1/2 kg Schwefel. Schwefel ist nach
Sauerstoff und Silicium das am häufigsten in Mineralien auftretende Element. Das Leben auf der Erde
begann vor fast vier Milliarden Jahren in einer sauerstofflosen Atmosphäre. Die ersten Lebewesen waren
Schwefelbakterien, die sich von Schwefel und kleinen organischen Molekülen ernährten.
Schwefel
und Schwefelverbindungen waren bereits im Altertum bekannt. Schwefeldioxid wird schon in Homers Odyssee
als desinfizierendes Räuchermittel erwähnt. Um 2000 v. Chr. bleichten die Ägypter bereits Gewebe mit
Schwefeldioxid. Die meisten Farben und viele Heilmittel und Kosmetika wurden im alten Ägypten mit Hilfe
von Schwefel hergestellt. Wie in der Antike enthalten auch heute fast alle Farben Schwefel.
Schwefel
ist ein Bauelement verschiedener Aminosäuren und der aus ihnen aufgebauten Eiweiße. Er ist Bestandteil
vieler wichtiger Verbindungen im pflanzlichen und tierischen Organismus. Haare enthalten z. B. bis 4
% Schwefel, der Schwefelgehalt von Muskeln beträgt durchschnittlich 1,1%. Schwefelreich sind im übrigen
alle Hautanhangsgebilde (Haare, Wolle, Federn, Nägel, Hufe, Hörner usw.).
Schwefel
ist für die Pflanze ein in relativ großen Mengen benötigter Nährstoff, der durch die Wurzeln in Form
von Sulfaten aufgenommen wird. Eine wichtige Rolle spielt der Schwefel bei der Photosynthese. Da Kohle
oder Erdöl aus abgestorbenen Pflanzen der Vorzeit entstanden sind, enthalten auch diese größere Mengen
an Schwefel, der aus dem ehemaligen Pflanzeneiweiß stammt. Bei der Verbrennung dieser fossilen Brennstoffe
wird der Schwefel wieder freigesetzt.
Auch in der Medizin spielt der
Schwefel eine große Rolle. Chronische Bronchitis und Tuberkulose werden ebenso mit Schwefelpräparaten
behandelt wie Bluthochdruck und Verletzungen der Mundschleimhaut.
Schwefelhaltige
Heilquellen (Aachen, Tölz usw.) helfen gegen Rheuma, Gicht oder Ekzeme. In der kosmetischen Medizin
sind schwefelhaltige Präparate in der Behandlung von Akne oder Schuppen nicht wegzudenken. Ohne Penizilline
(Antibiotika) könnten infektiöse Krankheiten nicht bekämpft werden. Viele Proteine und Vitamine (z.
B. Vitamin B1), die Schwefel enthalten, sind unentbehrlich für unseren Stoffwechsel.
Schwefel
hat aber noch andere Funktionen. Für das verlockende Kaffee- oder Kakao-Aroma sind vor allem schwefelhaltige
Verbindungen verantwortlich.
Je mehr Schwefel ein Land verbraucht, desto
höher ist sein Lebensstandard. Das gilt für landwirtschaftliche Produkte und in ganz besonderem Maße
für die Industrie. Schwefel spielt dabei eine so vielfältige Rolle, daß hier nur einige wesentliche
Anwendungen herausgestellt werden können. In der Stahlindustrie ist Schwefel genauso unentbehrlich wie
bei der Vulkanisierung von Kautschuk (Herstellung von Autoreifen). Zur Lebensmittelkonservierung ist
Schwefel unerläßlich. Aussichtsreich ist die Verwendung von Natrium-Schwefel-Batterien z. B. für Elektroautos.
Unter den zahllosen Schwefelverbindungen, wollen wir noch kurz auf die wichtigste Verbindung - die Schwefelsäure
- eingehen.
Schwefelsäure
Schwefelsäure
ist die meist gebrauchte Chemikalie der Welt. Es gibt kaum ein Produkt der chemischen Industrie, das
auf seinem "Werdegang" nicht einmal mit Schwefelsäure in Berührung gekommen ist. Die Produktion
an Schwefelsäure gilt daher als Maßstab für die Wirtschaftskapazität und den Wohlstand eines Landes.
Ein wichtiger Umweltaspekt bei der Schwefelsäureproduktion besteht darin, daß bei der Herstellung große
Mengen an Wärmeenergie entstehen, die wiederum in elektrische Energie umgesetzt wird. Eine Schwefelsäurefabrik
kann daher als ein thermisches Kraftwerk angesehen werden. Und diese Energieherstellung geschieht ohne
jegliche schädliche Abgase.
Der größte Anteil an produzierter Schwefelsäure
geht in die Landwirtschaft zur Produktion von Phosphat- oder Sulfat-Düngern. Dazu kommen Einsatzgebiete
im Pflanzenschutz, so daß Schwefelsäure eine wichtige Rolle im Kampf um die Ernährung der Welt spielt.
Auch
in der Papierherstellung braucht man große Mengen an Schwefelsäure. Mit Schwefelsäure werden Kunstfasern
(z. B. Viskosefasern) hergestellt und Naturfasern behandelt. Andere Einsatzgebiete für Schwefelsäure
sind z. B. Wasser und Abwasserbehandlung, Herstellung von Waschmitteln, Silikate für Zahnpasten, Klebstoffe,
Schmierstoffe und die Herstellung von Nahrungsmittelsäuren wie Zitronensäure, Ascorbinsäure (Vitamin
C) und Milchsäure.
Eine hochspezialisierte Anwendung findet die Schwefelsäure
in der Herstellung hochfester Fasern für z. B. kugelsichere Westen oder Yacht-Segel.
Eines
der bekanntesten Verbraucherprodukte, das Schwefelsäure enthält, ist die Autobatterie, obwohl diese
mengenmäßig nur eine winzigen Teil des Schwefelsäureverbrauches darstellt.
Eine
Information der Grillo-Werke Aktiengesellschaft, Geschäftsbereich Chemie, Weseler
Str. 1, 47169
Duisburg-Hamborn Status 04/00
Ansprechpartner Dr.
Ingo Biertümpel Grillo-Werke AG E-Mail: i.biertuempel@grillo.de
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