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Vom Kornfeld zum Pulli
Socken aus Korn haben Zukunft. Weit davon entfernt
zu pieksen, weisen sie Komforteigenschaften wie andere atmungsaktive Materialien auf – Kuschelfeeling
inklusive. Als Ausgangsmaterial eignen sich viele Getreidepflanzen, Hauptsache sie enthalten den Pflanzenzucker
Glucose. Aus ihm wird von Cargill Dow ein vielfältig verwendbarer Kunststoff hergestellt, ein Polymer,
das so genannte PLA. Aus PLA lassen sich Verpackungen, Füllungen für Kissen oder Garn für Stoffe mit
hervorragenden Trageeigenschaften herstellen. Im Textilbereich braucht dieser nachwachsende Rohstoff
den Vergleich mit herkömmlichen Kunstfasern wie Polyester nicht zu scheuen – im Gegenteil. Und da er
dank dem Know-how von DyStar, dem Weltmarktführer bei Textilfarbstoffen, gut zu färben ist, kann er
sich nun in einer breiten Farbpalette auf dem Markt präsentieren. Verkauft wird der Stoff unter dem
Namen Ingeo®.
Rund um Korn, Kunststoff und Kleidung
Ob
als Verpackungsschale für Himbeeren, als Füllung in Kissen oder als atmungsaktive Tennissocke, PLA lässt
sich vielfältig einsetzen. Gegenüber herkömmlichen Kunststoffen, die aus Erdöl gewonnen werden, wird
PLA aus jährlich nachwachsenden Pflanzen hergestellt und ist biologisch abbaubar. Weizen, Mais, Reis
oder einfach landwirtschaftlicher Abfall, alle Pflanzenteile, die den Zucker Glucose enthalten, können
verwendet werden. Der aus ihnen gewonnene Kunststoff hat hervorragende Qualitäten. Mit ihm lassen sich
Garne und Stoffe realisieren, die besonders formstabil und elastisch sind – beispielsweise für ein knitterfreies
Kleid, das in Form bleibt. Auch färben lassen sich Garn und Stoff dank der Färbetechnologie von DyStar
hervorragend. Hinzu kommt der gute Feuchtigkeitstransport, den der Stoff aufweist: Feuchtigkeit wird
von der Haut weg nach außen befördert. Eine hervorragende Stofffunktion für den Sportbereich. Der Stoff
kann dünn und glänzend sein wie Seide oder dick und kuschelig wie Fleece. Den Stoffeigenschaften sind
daher wenig Grenzen gesetzt. Die Färbeeigenschaften sind viel versprechend. DyStar hat für die unterschiedlichen
Stoffe aus PLA eine breite Farbenpalette entwickelt. "Die Ingeo® PLA-Faser lässt sich auch in tiefen
Farbtönen gut färben und ist bei der Auswahl der richtigen Farbstoffe farbecht gegenüber Licht, Schweiß
und Mehrfachwäschen", sagt John Bone, Leiter Technisches Marketing Dispersionsfarbstoffe bei DyStar.
Hinzu kommt, dass sich PLA gut mit Baumwolle und Wolle kombinieren lässt. Auch hier arbeiten die Experten
von DyStar schon an den Farben. John Bone berichtet: "Wir haben herausgefunden, dass sich die PLA-Fasern
schon bei Temperaturen, die 20 Grad niedriger sind als bei herkömmlichen Polyesterfasern, färben lassen.
Dadurch sind die PLA-Fasern kompatibel mit anderen temperaturempfindlichen Fasern wie Wolle."
Der
Stoff ist jetzt reif für den Markt und wurde im Januar 2003 unter dem Namen Ingeo® vorgestellt. Besonders
die japanischen Stoffhersteller sind an der neuen Faserentwicklung interessiert. Und da sie auch den
deutschen Markt bedienen, ist es wohl nur eine Frage der Zeit, wann die ersten Produkte aus Korn in
unseren Läden auftauchen. John Bone bleibt vorsichtig mit seinen Erwartungen: "Wir sind noch in
einem sehr frühen Stadium. Der Stoff ist zwar marktreif, aber wie bei allen neuen Fasern wird die erfolgreiche
Marktdurchdringung bei Bekleidungstextilien noch einige Zeit dauern." Der einzige Haken an dem
neuen Stoff: Er ist nur bedingt hitzebeständig und kann damit nur bei niedrigen Temperaturen gebügelt
werden. Doch Bügeln ist bei einem knitterfreien Stoff sowieso nicht nötig.
Hintergrund
Die
Idee, aus Naturprodukten Kunststoffe zu machen, gibt es schon lange. Und die Idee, dies aus Milchsäure
zu tun, wurde schon in den 30er Jahren verwirklicht. Das Verfahren war jedoch recht kostspielig und
wurde bisher nur für besondere Produkte, wie für das Garn zur Wundvernähung, verwendet. Das Unternehmen
Cargill Inc., der größte Getreidehändler in den USA, und das Unternehmen Dow Chemical Company, das vor
allem Polymerforschung betreibt, haben sich im Jahre 1997 zusammengetan, Cargill Dow LLC gegründet und
damit den Weg zu einer viel versprechenden Kunststoffproduktion geebnet. Den Entwicklern ist es gelungen,
über Fermentation, ein Prozess ähnlich dem Gären von Bieren und Weinen, preiswert Milchsäure aus Pflanzenzucker
herzustellen. Der Pflanzenzucker Glucose wird aus der Stärke gewonnen, die beispielweise im Korn enthalten
ist. Die Milchsäure lässt sich dann über Kondensation und Vakuum-Destillation zu langen Molekülketten,
den Polymeren verbinden. Es entsteht PLA (polylactic acid), das in Rohform als kleine Kügelchen vorliegt.
Aus ihnen lassen sich je nach Bedarf Füllungen, Verpackungsmaterial oder Garn für Stoffe herstellen.
Im Gegensatz zu den Kunststoffen aus Erdöl enthalten die Kunststoffe keine aromatischen Verbindungen.
Das heißt, hat der Stoff ausgedient, verrottet er in kurzer Zeit – übrig bleiben Kohlenstoffdioxid und
Wasser. Oder er wird problemlos zu dem ursprünglichen Rohstoff PLA recycelt.
Ingeo®
ist ein eingetragenes Warenzeichen der Cargill Dow LLC.
Internet:
www.dystar.com
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